30. Juni 2026, Saarbrücken, Garage
Black Label Society tourten im Frühjahr und Sommer 2026 durch Europa und stellten dabei live ihr im März 2026 veröffentlichtes Studioalbum "Engines Of Demolition" vor. Am 30. Juni 2026 beehrte das Schwermetall-Quartett die Garage in Saarbrücken, mit Venom Inc. als Support.
Es ist Dienstagabend, das Wetter zeigt sich von seiner absolut sommerlichsten Seite (30° Celsius im Schatten) und pünktlich um 19 Uhr steht das Publikum bereits Schlange vor der Garage. Von zwei Seiten warten die Besucher geduldig darauf, dass der Einlass endlich beginnt, denn bereits um 19:30 Uhr soll Venom Inc. den Konzertabend eröffnen.
Eine halbe Stunde für den Einlass ist allerdings recht knapp bemessen und obwohl sich die Schlange zügig vorwärtsbewegt, steht ein nicht unerheblicher Teil des Publikums noch vor der Tür, als die Vorband loslegt. Wenn man Pech hat, ist, bis man schließlich mit einem kühlen Getränk in der Hand seinen Platz im Saal gefunden hat, bereits gut die Hälfte des Sets vorbei. Dann ist es hilfreich, wenn man sich als Hobby-Redakteurin im Nachhinein noch die Setlist besorgen kann.
Dass Venom Inc. aus ehemaligen Mitgliedern der legendären NWOBHM-Ikonen Venom besteht, ist nicht nur am Namen abzulesen, sondern erklärt auch, warum sich neben eigenem Material zahlreiche Venom-Klassiker im Programm befinden. Frontmann Tony „Demolition Man“ Dolan, ehemaliges Mitglied der legendären britischen Metal-Pioniere, verleiht den Songs mit seiner markanten Stimme genau die richtige Portion Boshaftigkeit.
Der rohe Mix aus klassischem Heavy Metal, Speed Metal und den finsteren Venom-Wurzeln ballert mit voller Wucht durch die Garage. Der Sound ist roh, schnell und herrlich dreckig. Die Riffs walzen alles nieder, während das treibende Schlagzeug und die donnernden Bassläufe den Rhythmus vorgeben und das Publikum vollends mitreißen.
Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, lediglich einer Vorband zuzuhören. Die Garage ist mittlerweile gut gefüllt, die Zuschauer gehen begeistert mit und feiern die Band, als wären sie selbst Headliner. Venom Inc. liefern eine energiegeladene Show ab und schaffen es mühelos, die Menge für den Hauptact aufzuwärmen.
Als "Mr. Crowly" von Ozzy Osbourne aus den Lautsprechern erklingt, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Umbaupause bald ein Ende hat und der Beginn des Auftritts von Black Label Society nicht mehr lange auf sich warten lässt. Zakk Wylde lugt schon mal hinter dem Bühnenbanner hervor, macht ein Foto vom Publikum uuund - verschwindet dann wieder.
Kurz darauf gehen die Lichter aus und das "Whole Lotta Sabbath"-Mash-Up ertönt. Die Spannung des Publikums, die endlich Black Label Society sehen wollen, ist spürbar. Glockenschläge lassen schon erahnen, welches Lied das Set eröffnen wird. Die ersten schweren Gitarrenriffs setzen ein, das Banner fällt und gibt endlich den Blick auf Bühne und Band frei. Flankiert von gewaltigen Marshall-Türmen legen Black Label Society mit Funeral Bell brachial los und liefern genau das, wofür sie bekannt sind: wuchtige Riffs kombiniert mit Pinch Harmonics, Bendings und schnellen Läufen, dazu tonnenschwere Grooves und keinerlei Leerlauf.
BLS haben uns im März dieses Jahres wieder mit einem neuen Album beglückt. „Engines Of Demolition“ heißt das gute Stück. Davon geht es nun ohne große Ansagen mit Name In Blood weiter. Glücklicherweise versteift sich die Band nicht zu sehr auf die neue Platte, sondern setzt nach wie vor auf die altbewährten Klassiker. Zum Beispiel das brachiale Destroy & Conquer, was auf keinem BLS-Konzert fehlen darf. Ruhiger und mit dem Einsatz einer akustischen Gitarre beginnt anschließend A Love Unreal, bevor die elektrisch verzerrten Gitarren wieder mit voller Wucht einsetzen.
Zakk Wylde steht mit verschränkten Armen auf der Bühne, lässt den Applaus des Publikums auf sich wirken und genießt sichtlich die Atmosphäre. Mit einem kurzen "Hey"-Duell zwischen der linken und rechten Hallenseite bringt er die Zuschauer zusätzlich in Stimmung, bevor Heart Of Darkness folgt. Spätestens jetzt gibt es im Publikum kein Halten mehr - sogar ein Crowdsurfer wandert über die Köpfe der Fans hinweg.
Mit No More Tears zollt die Band Ozzy Osbourne und der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen ihm und Zakk Wylde Tribut. Gesanglich trifft Wylde Ozzys markante Tonlage erstaunlich gut. Das Lied endet abrupt. Zakk Wylde nimmt bereits seine Position am Klavier an, stellt aber zuerst seine Mitmusiker vor, lobpreist sie regelrecht: John DeServio am Bass, Jeff Fabb am Schlagzeug und Dario Lorina an der Rhythmusgitarre. Jedes Wort macht deutlich, wie sehr er seine Bandmitglieder schätzt.
Banner mit Fotos von Zakk Wylde und Dimebag Darrell werden über den Verstärkerwänden aufgehängt und es folgt das ruhige und balladenhafte In This River. Das Lied gilt seit jeher als musikalische Hommage an Darell, den 2004 ermordeten Pantera-Gitarristen und engen Freund Wyldes.
Anschließend greift Zakk Wylde zur Double-Neck, für das westernartige The Blessed Hellride, bevor mit Set You Free wieder ordentlich Fahrt aufgenommen wird. Bei Fire It Up gibt es rotes Lichtgewitter, während große schwarze Bälle mit dem BLS-Logo über die Menge hüpfen. Wylde zeigt in ausgedehnten Gitarrensoli, was er drauf hat und warum er zu den bekanntesten Gitarristen des Genres gehört. Selbst mit der Gitarre hinter dem Kopf soliert er scheinbar mühelos weiter. Rhythmusgitarrist Dario Lorina macht die Aktion kurzerhand nach und so stehen sie sich gegenüber und solieren sich einen ab.
Suicide Messiah lässt die Stimmung endgültig überkochen. Die Menge singt lautstark mit und bei der Stelle "Here comes the Suicide Messiah" greift ein Backliner zum Megafon und unterstützt die markante Passage. Oh YEAH!
Nach diesem Finale wird es sentimental mit Ozzy's Song. Und obwohl der Tod von Ozzy Osbourne schon ein Jahr zurückliegt, wird einem der Verlust nochmal schmerzlich bewusst, ebenso den Einfluss, den er auf Generationen von Musikern und Fans hatte. R.I.P Ozzy! Stillborn, bei dem Ozzy als Gastsänger mitgewirkt hatte, beendet das Set und einen rundum gelungenen Konzertabend. Zu den Klängen von New York, New York verbeugt sich die Band und verlässt unter tosendem Applaus die Bühne.
Das Schöne an einem Black Label Society-Konzert ist, dass nicht unnötig viel geredet wird. Statt langer Ansagen konzentriert sich die Band darauf, einen Nackenbrecher nach dem anderen zu spielen. Dass vom neuen Album lediglich zwei Songs ins Set aufgenommen wurden, nimmt ihnen auch keiner übel - schließlich bleibt dadurch genügend Platz und Zeit für die bewährten Klassiker, die einfach auf ein BLS-Konzert gehören.
Setlist Venom Inc.
- Ave Satanas
- War
- There’s Only Back
- Blackened Are The Priests
- Carnivorous
- Parasite
- Preacher Man
- Cursed
- Come To Me
- Inferno
- Live Like An Angel (Die Like A Devil)
- Black n’Roll
- The Hammer
- Black Metal
- In League With Satan
- Countess Bathory
Setlist Black Label Society
- Funeral Bell
- Name in Blood
- Destroy & Conquer
- A Love Unreal
- Heart of Darkness
- No More Tears
- In This River
- The Blessed Hellride
- Set You Free
- Fire It Up
- Suicide Messiah
- Ozzys Song
- Stillborn
Bild: (c) WOCHENSPIEGEL / Michael Hoffmann
Redaktion: Celin Ost
