Interview mit Viviana Milioti: Zwischen Solokarriere und Band, Saarland und ESC

Interview mit Viviana Milioti: Zwischen Solokarriere und Band, Saarland und ESC

»Ich bin dabei, mir meine musikalischen Welten selbst zu bauen.«


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Ob als Solo-Künstlerin, Castingshow-Teilnehmerin oder Frontfrau der Symphonic-Metal-Band Everloria – Viviana Milioti schlüpft in viele Rollen. Im Interview erzählt sie von ihren musikalischen Welten, ihrem Leben abseits der Bühne und davon, wohin ihr Weg sie in Zukunft führen könnte.
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Nami: Liebe Viviana, zu Beginn mal für alle, die dich nicht kennen einige schnelle Fakten über dich. Wenn möglich gerne in ein bis zwei Sätzen. Zuerst, was ist Musik für dich?


Viviana: Musik ist mein Ausdruck, wozu mir manchmal die Worte fehlen und was ich durch Töne, Melodien und Texte verarbeite. Musik ist das, was mein Herz zum Schlagen bringt, und sie ist für mich Freiheit.


Nami: Was ist für dich das Schönste, wenn du auf einer Bühne stehst?


Viviana: Dieses Gefühl von Freiheit. Und der Flow: Du bist ganz achtsam da in diesem Moment, hast nichts anderes im Kopf. Gleichzeitig fühlst du dich total verbunden und willst andere mit deiner Musik berühren.


Nami: Was machst du gerne in deiner Freizeit, wenn es einmal nicht Musik ist?


Viviana: Ich liebe es zu kochen! Ich befasse mich auch allgemein mit dem Thema Ernährung und trainiere gerne. Körperliche und mentale Gesundheit, oder Persönlichkeitsentwicklung; das geht für mich alles irgendwie Hand in Hand. Und was ich auch manchmal einfach geil finde an einem Sonntag, ist auf der Couch zu liegen und eine schöne Serie oder alte Filme zu gucken.


Nami: Und was sind andere Fakten, die zuerst einmal jeder über dich wissen sollte?


Viviana: Ich bin jemand der gerne zwischen den Welten hin und her springt - musikalisch auf jeden Fall! Meine Songideen kommen immer in den ganz unterschiedlichsten Lebenssituationen und Phasen zu mir. Auch mal nachts, da werde ich auf einmal wach und habe eine Songidee. Diese Songideen sind immer unterschiedlich: Von intimen Piano-Balladen bis zu Popmusik ist bei mir alles drin. Ja und dann gibt es Everloria, wo ich mich nochmal komplett entfalten kann mit dieser mystischen Seite.


Nami: Wie ist Everloria denn damals entstanden?


Viviana: Everloria ist ursprünglich gestartet im Rahmen des ESC*-Vorentscheid. Ich hatte mich 2023 als Solokünstlerin für San Marino beworben. Ich habe dann überlegt: ‚Mit welchem Song gehe ich da rein?‘ Also habe ich in meiner vergangenen Musikhistorie gegraben und bin auf zwei Songs gestoßen, die ich mit 13 oder 14 geschrieben hatte: Seraphina’s Lullaby und Masquerade. Ich hatte das Gefühl, das sind genau die Songs, mit denen ich mich bewerben will und habe mir Menschen gesucht, die das Ganze mit mir verwirklichen können. Die Idee, mehr daraus zu machen, kam aber erst nach dem Contest. Da hatte ich irgendwie voll Bock gehabt, ein “Symphonic Metal“-Projekt zu machen! Letztlich hat jeder seine musikalische Handschrift dazugepackt und auch mit arrangiert. Ich fühle mich wohl als Frontfrau und habe auch coole Jungs im Rücken. Wir rocken das zusammen und sind ein tolles Team.

*Anmerkung: Eurovision Songcontest

 


Nami: Du bist ja tatsächlich auch Vocal Coach. Wie kamst du denn zur Musik, was ist dein Hintergrund?


Viviana: Familie ist für mich sehr wichtig und ich bin in einer sehr musikalischen Familie groß geworden. Mein Papa ist auch Musiker und schon während meiner Kindheit in einer Band, einer meiner Onkel ist professioneller Jazz-Gitarrist, der andere war Sänger. Ich hatte eigentlich gar keine andere Wahl: Für mich war klar, ich mache auch was mit Musik! Ich habe immer gerne gesungen, aber war zu schüchtern. Auf der Kommunion meines Bruders bin ich dann über meinen Schatten gesprungen und habe gesungen.


Nami: Und dann hat dich dein weiterer Weg unter anderem über DSDS und den ESC geführt. Du warst auch bei The Voice of Germany dabei. Wie kam es dazu, dass du dich später also für die große Bühne entschieden hast?


Viviana: Wenn die Musik nicht gewesen wäre, wäre ich noch immer das schüchterne Mäuschen. Die Musik war und ist für mich sehr transformativ. Es ist mein Leben, meine Kunst und meine Ausdrucksfreiheit, das habe ich für mich gemerkt. Ich drücke mich über meine Musik aus. Dinge, für die ich keine Worte habe, verpacke ich in Musik. Dafür bin ich unfassbar dankbar, dass Musik mir diesen Weg gezeigt hat.


Nami: Wie war es denn dann für dich, im Fernsehen zu sein mit dieser doch krassen Atmosphäre - Und das mehrfach?


Viviana: Ich habe 2012 meinen ersten Auftritt live bei Immer wieder Sonntags in der ARD gehabt, da war ich 17 und so aufgeregt! Später kam Kaffee oder Tee und 2016 eine Einladung von RTL. Ich wusste nicht, ob das was für mich ist, aber ich hatte sowieso Semesterferien und konnte es in dieser Zeit gut einrichten. Es hat mir sehr viel gezeigt - Auch, was ich nicht will. Die Erfahrung hat mich sehr stark gemacht, genau wie The Voice. Da geht es natürlich viel mehr um Musik, aber es ist immer noch ein Casting. Am Ende gehe ich trotz allem auf die Bühne und finde meine Stärke. Mental war das sehr wichtig für mich.


Nami: Wie war die Konkurrenz für dich?


Viviana: Mir sind ganz wertvolle Kontakte geblieben, gerade auch zu meinen Battle-Partnern. Wir wussten, dass es kaum mehr Plätze gab und damit kaum Chancen, weiterzukommen. Wir sind als Gruppe da raus, hatten unfassbar viel Spaß auf der Bühne und haben es echt genossen. Ich hatte also sehr viel Glück, denn ich habe drumherum gesehen, was abgeht: Das war ein Haifischbecken. Das will ich nicht, ich bin das nicht und ich fühle mich da nicht wohl. Da kreiere ich mir lieber meine eigene Bühne, wo ich so sein kann, wie ich bin.


Nami: Überlegst du denn trotzdem noch mal, dich für den ESC zu bewerben, vielleicht auch für Deutschland?


Viviana: Sag niemals nie! Ich weiß nicht, wo mich mein Weg hinführt. Für mich ist es eine tolle Bühne. Ich weiß aber natürlich auch, was dahinter steckt, weil ich durch San Marino ein bisschen hinter die Kulissen blicken konnte. Und es ist auch viel Show. Aber ich schließe es nicht aus, wenn ich die Möglichkeit habe.


Nami: Um auf das Saarland zurückzukommen, wie siehst du die musikalische Szene hier? Abgesehen von deiner Familie, welche Förderung und welche Möglichkeiten siehst du etwa?


Viviana: Was ich sehe, ist, dass immer mehr saarländische Künstler rauskommen und ihre Sachen veröffentlichen. Das finde ich mega stark! Mir die letzten Jahre auch aufgefallen, dass es mehr Förderung gibt. Es gibt verschiedene Preise, verschiedene Auszeichnungen, verschiedene Festivals.


Nami: Ist hier im Saarland vielleicht auch mehr Platz für Nachwuchs, weil es gerade nicht mehr ein ganz großes Festival und die ganz großen Auftritte gibt? Oder würdest du sagen, es gibt weniger Chancen dadurch, hier größere Auftritte zu haben?


Viviana: Das ist eine schwierige Frage, denn es kommt auch darauf an, auf welche Bühne man schaut. Gucke ich explizit Richtung Radio, hast du als saarländische Künstlerin nicht so viel Chance reinzukommen. Radio Salü hat ja Sound of Saarland, da wurden wir auch schon mal gespielt. Aber von Sendern, die nicht von hier aus gesteuert werden, sondern etwa aus Berlin – Da hast du keine Chance, ins Programm zu kommen. Auf internationaler Ebene aber wurden wir schon in Portugal und Brasilien gespielt, auch ein größerer Radiosender in den Niederlanden kam damals auf mich zu.


Nami: Wenn du auf die nächsten Jahre blickst, was sind deine Pläne und Ziele in der Musik?


Viviana: Auf jeden Fall meine eigene Bühne zu kreieren, auf die ich bringe, was mein Herz mir sagt. Das ist mir wichtig und dabei auch die Authentizität zu wahren. Denn ich würde sagen, dass ich jetzt erst dabei bin, die wirkliche Viviana zu zeigen. Ich habe mich nie so getraut, meine Songs zu veröffentlichen. Jetzt ist es aber so weit, denn ich weiß, dass das hier eine sehr, sehr schnelllebige Welt ist. Da braucht es den Mut, zu sich selbst zu stehen. Und ich weiß: Hey, du hast eine Stimme, traue dich, sie zu zeigen und deinen Weg zu gehen.


Nami: Zum Abschluss, was ist dir noch wichtig, was du bisher noch nicht einbringen konntest?


Viviana: Mir sind die Menschen wichtig, die mir geholfen haben, diese Vision von Everloria groß zu machen und zu realisieren. Das sind vor allem Aino Laos und Elmar Ottenthal, weil die von Anfang an mit im Boot waren. Und die Musiker, die bei Everloria sind (Markus Krotten, Luigi Burgio, Giovanni Milioti und Till Hansen), das sind einfach coole Musiker und absolute Herzensmenschen. Genauso meine Familie, die mich von Anfang an in allem unterstützt und gefördert hat.

Vor allem auch an alle: Wir sind immer noch aktiv und seit dem 16.10. gibt es einen neuen Song „12 Strikes to Thunder“ von uns!

 

 

Bilder bereitgestellt von Viviana Milioti

Redaktion: Nami Seewald

Korrektur: Siento Wege

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