Streaming hat unseren Musikkonsum über die Jahre grundlegend verändert. Spotify und Co.
machen Musik nahezu überall und jederzeit verfügbar. Streaming ist digital, praktisch und damit
bequem und platzsparend. Trotzdem stehen Vinyl und CD weiterhin im Regal und werden gekauft.
Vor allem Vinyl wird seit Jahren wieder präsenter: Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI)
spricht von einer Vinyl-Renaissance seit 2007 und einer parallelen Entwicklung zum Aufstieg des
Musikstreamings. Auch wenn das Wachstum im Streamingbereich größer ist, zeigt dies, dass sich
digitale und physische Formate gegenseitig nicht ausschließen.
Aber warum werden physische Tonträger trotz der nahezu unbegrenzten digitalen Verfügbarkeit von
Musik weiterhin gekauft? Was macht ein physisches Album heute eigentlich noch attraktiv?
Ein Markt im Wandel
Das digitale Streamen von Musik bildet heute mit großem Abstand die wichtigste Umsatzquelle des
deutschen Musikmarktes. 2025 entfielen 84,4 % der Brancheneinnahmen auf Streaming. Dessen
Umsatz stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 4,1 % und erzielte mehr als zwei Milliarden Euro.
Streaming dominiert den Musikmarkt also deutlich. Die langfristige Entwicklung von Vinyl zeigt
allerdings, dass die Schallplatte nicht erst seit kurzem wieder relevant ist. Den höchsten Umsatz
erzielte sie im Jahr 1980. Nach diesem historischen Hoch ging der Umsatz stark zurück und
erreichte Anfang der 2000er Jahre einen Tiefpunkt. Seit 2007 wächst das Segment wieder, der
BVMI bezeichnet diese Entwicklung als „Vinyl-Renaissance“, die parallel zum Aufstieg des
Streamings verläuft. Von 2010 bis 2021 hat sich der jährliche Vinyl-Umsatz beinahe verzehnfacht.
2024 erzielte Vinyl in Deutschland noch 153 Millionen Euro Umsatz – ein Plus von 9,4 %
gegenüber dem Vorjahr. Anders entwickelt sich die CD: 2025 entfielen auf sie 7,2 % des
Gesamtmarktes, ihr Umsatz ging jedoch um 11,3 % zurück. Damit lag ihr Umsatz trotzdem noch
über dem von Vinyl.
Die Entwicklung von Vinyl scheint also nicht gleichbedeutend mit einer allgemeinen Rückkehr zu
physischen Tonträgern. Wenn Streaming den physischen Musikmarkt also immer weiter
zurückdrängt, warum hält sich gerade Vinyl dann trotzdem so hartnäckig?
Nach dem starken Wachstum der Vinyl-Verkäufe in den Jahren davor hat sich der Absatz zuletzt
eher stabilisiert. 2025 wurden rund 4,5 Mio. Schallplatten verkauft – das entspricht einem
Rückgang von etwa 2,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz bleibt gleichzeitig auf hohem
Niveau und stieg sogar leicht. Das bedeutet: Vinyl wächst momentan nicht mehr über höhere
Stückzahlen, sondern über höhere Umsätze. Der BVMI führt diese höheren Umsätze trotz leicht
rückläufiger Stückzahlen unter anderem auf höherpreisige Editionen zurück.
Aus langfristiger Sicht hat Vinyl also seit Ende der 2000er-Jahre einen enormen Aufschwung erlebt,
die kurzfristige Entwicklung zeigt aber, dass sich dieser Aufschwung nicht mehr im gleichen Tempo
fortsetzt.
Für das aktuellste abgeschlossene Gesamtjahr lässt sich für den gesamten deutschen Musikmarkt
ein Umsatz von 2,42 Mrd. € verzeichnen. Der physische Markt machte davon noch 14,2 % aus.
Innerhalb dieses Marktes erzielte die Schallplatte einen Umsatz von 152 Mio. € – das entspricht
einem Anteil von 44,2 %. Auch wenn Vinyl insgesamt nur einen kleinen Teil des gesamten
Musikmarktes ausmacht, bleibt die Bedeutung innerhalb des physischen Marktes enorm.
Im internationalen Vergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: Die globalen Vinyl-Umsätze stiegen im
Jahr 2025 um 13,7 %. Es war damit das 19. Jahr in Folge, in dem die Vinyl-Umsätze weltweit
wuchsen. Auch der weltweite physische Musikmarkt wuchs 2025 um 8 %.
Der Vinylmarkt ist also weder verschwunden, noch lässt sich die Entwicklung durch einen
kurzfristigen Hype abtun. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich aus dem wachsenden Vinyl-Umsatz nicht automatisch ableiten lässt, dass jedes Jahr mehr Menschen Vinyl kaufen.
Gleichzeitig bilden die offiziellen Marktstatistiken nicht zwangsläufig alle Käufe physischer
Tonträger ab. Ein wichtiger Faktor, der ebenfalls berücksichtigt werden muss, ist der Second-Hand-Markt.
Der Second-Hand-Markt: Schnäppchen und Sammlerstücke
Während die offiziellen Marktzahlen vor allem den regulären Musikmarkt abbilden, eröffnet ein
Blick in die lokalen Plattenläden eine weitere Perspektive. Denn auch in Saarbrücken gibt es neben
großen Handelsketten wie Thalia, die vor allem Neuware verkaufen, unabhängige Plattenläden, die
sowohl neue als auch gebrauchte Schallplatten und CDs führen. Gerade für die Frage, warum
physische Tonträger weiterhin gekauft werden, ist dieser Markt besonders interessant.
Gebrauchtware hat natürlich im Gegensatz zu Neuware oft einen entscheidenden Vorteil: den Preis.
Gebrauchte Platten und CDs sind meist günstiger als solche, die gerade frisch aus der Produktion
kommen und somit vor allem auch für Menschen mit kleinerem Budget interessant.
Das sieht auch Jörg Mathieu, der in Saarbrücken seit 2025 seinen eigenen Plattenladen, das Indiera
Records, betreibt. Neben Schallplatten findet man hier auch Bücher, Magazine und Filme. Der
Gebrauchtmarkt bildet dabei das Hauptgeschäft: „Neue Platten von modernen Künstlern oder
Nachpressungen von älteren Werken bekommt jeder bequem im Internet bei unzähligen Händlern.
Wenn ich aber eine gebrauchte Platte in gutem Zustand bereits ab 5 Euro finden kann, warum sollte
ich dann das Dreifache dafür zahlen?“, so Mathieu. Neben dem finanziellen Aspekt betont er vor
allem auch die Bedeutung von Originalpressungen, gerade für Sammler. Manche älteren Platten
oder bestimmte Ausgaben seien teilweise auch nur noch gebraucht zu finden.
Aber wie haben sich Angebot und Nachfrage über die letzten Jahre verändert, und wie nehmen die
Händler diese Entwicklung wahr?
Zwischen alten Schätzen und neuen Fans
Das Indiera Records existiert zwar erst seit rund einem Jahr, trotzdem steht bereits ein Umzug in
größere Räumlichkeiten an. Jörg Mathieu schreibt den Erfolg seines Ladens zunächst einer
gewissen Neugier zu. Aber das Interesse bleibt hoch, es entwickelt sich eine Stammkundschaft. Und
das zeigt sich auch beim Umsatz: „Nach einem sehr guten ersten Jahr war schnell abzusehen, dass
es die Nachfrage hergibt, zu expandieren.“ Der alte Laden bot mit gerade mal 18 Quadratmetern
schon wenige Monate nach Eröffnung nicht mehr ausreichend Stellfläche für Ware, da vor allem der
Ankauf von Schallplatten besonders gut läuft. Nach dem Umzug aus dem kleinen Hinterhof der
Großherzog-Friedrich-Straße im Herzen Saarbrückens in die Saarbrücker Straße in Brebach hat sich
das jetzt geändert: „Der alte Laden hatte viel Charme und Kultcharakter, den man schlecht
transportieren kann. Dafür hat der neue Laden jetzt mehr Platz auf zwei Etagen und eine komplett
andere Atmosphäre.“
Neben dem Indiera Records ist auch das Rex Rotari im belebten Nauwieser Viertel seit vielen
Jahren Anlaufstelle für Musikfans jeglicher Art. Neben neuen und gebrauchten Schallplatten finden
Kunden hier auch CDs, DVDs von Konzerten und Live-Auftritten, musikbezogene Literatur, T-Shirts und mehr. Außerdem können auch Tickets für verschiedene regionale und überregionale
Konzerte und Veranstaltungen erworben werden.
Mathieus Beobachtung, dass die Kundschaft immer jünger wird, zeigt sich auch hier im Alltag.
Jüngere Menschen kommen oft in Gruppen, bringen Freunde mit und zeigen sich gegenseitig
Platten. Die Begeisterung, wenn jemand plötzlich ein Album seines Lieblingskünstlers entdeckt, ist
kaum zu übersehen. Dabei wird sich enthusiastisch über Musik ausgetauscht und gefachsimpelt.
Inhaber Andreas Eid beobachtet dieses Verhalten und freut sich, dass sein Laden auch nach dreißig
Jahren noch neue Generationen von Musikliebhabern anzieht – und vielleicht sogar weiterbildet:
„Viele der jungen Leute fragen ganz spezifisch nach den Künstlern, die sie schon kennen, stöbern
aber auch und entdecken so etwas Neues – oder Altes, je nach dem.“
Jörg Mathieu betont auch den emotionalen Aspekt, den der Genuss von Schallplatten mit sich
bringt. Ruhe, Geborgenheit und eine Form der Entschleunigung, die die Jugend vielleicht nur noch
vom Erzählen ihrer Eltern und Großeltern kennt: „Es mag diese Sehnsucht sein, die gerade junge
Menschen weg vom Dauerkonsum der Handys und des Streamings bewegt. Ich erkenne da einen
deutlichen Trend, der sicherlich noch zunimmt.“ In diesem Zusammenhang bleibt ihm vor allem ein
Kunde besonders in Erinnerung: „Ich komme da gerne zurück auf meinen 13-jährigen Kunden, dem
ich vor Kurzem Tubular Bells von Mike Oldfield verkauft habe. Eine Platte von 1973, mit der auch
ich in dem Alter mal angefangen habe. Ist es nicht wunderbar, dass es Dinge gibt, die sich
offensichtlich immer wiederholen – im Positiven. Er wird ebenso gebannt in seinem Zimmer sitzen
und lauschen wie ich vor 40 Jahren. Das sind Geschichten, die nur Vinyl schreibt, wenn es ums
Musik hören geht.“
Die Beobachtungen der Händler zeigen, dass Vinyl längst nicht nur ältere Generationen anspricht.
Doch was bewegt die Menschen tatsächlich dazu, heute noch physische Tonträger zu kaufen?

Warum Streaming nicht alles ist
Um herauszufinden, welche Gründe hinter dem Kauf physischer Tonträger stehen, haben wir eine
eigene Umfrage durchgeführt. Die Antworten von 26 Teilnehmenden geben einen Einblick in die
Perspektive der Käuferinnen und Käufer.
Was macht Vinyl & Co. für die Befragten attraktiv? Als wichtigste Kaufmotive nannten die
Befragten neben der emotionalen Verbundenheit, dem bewussteren Hören der Musik sowie Artwork
bzw. Gestaltung mit jeweils 73,1 % vor allem auch die Haptik, also das physische Erlebnis, mit 80,8
%. Die Zahlen verdeutlichen, dass es beim Kauf nicht nur um die Musik selbst geht, sondern auch
um die damit verbundenen Erfahrungen und die persönliche Bedeutung des Tonträgers. Nach eben
dieser persönlichen Bedeutung wurde auch direkt gefragt: Hier gaben die Teilnehmenden zum
Beispiel an, auch gerne mal ein ganzes Album bewusst durchzuhören. Dafür eigne sich Vinyl
besonders gut. Wie eng Musik mit persönlichen Erinnerungen und Beziehungen verbunden sein
kann, zeigt vor allem die Antwort einer Person: „Ich lern meine Eltern besser kennen (hab ihre
Sammlung geschenkt bekommen) – das ist irgendwie schön!“
Unter den Befragten befinden sich auch Menschen, die selbst Musik machen. Jemand schreibt: „Ich
bin selbst Musikerin und weiß, dass es einen ganz anderen Wert für den Künstler selbst, aber auch
für die Hörer hat, wenn man das eigentlich nicht greifbare kreative Kunstwerk dann doch in den
Händen halten kann.“
Aber welche Rolle spielt Vinyl eigentlich im digitalen Alltag? 69,2 % der Befragten hören Musik
überwiegend über Streaming, aber auch Vinyl. Keiner gab an, ausschließlich über Vinyl zu hören.
Hier lässt sich also auch ein Bezug zur Ausgangsfrage herstellen: Ein physischer Tonträger muss
Streaming nicht ersetzen, um einen eigenen Wert zu haben. Der Besitz eines Albums bietet andere
Qualitäten als Streaming, wie etwa Haptik und Gestaltung, während Streaming durch seine digitale
Verfügbarkeit praktisch ist.
Und wie finden Menschen heute zu Vinyl und CDs? Woher kommt das Interesse? Die wichtigsten
Zugänge der Befragten bilden mit 61,5 % Familie sowie Freunde und Plattenläden mit
jeweils 38,5 %. Die Ergebnisse deuten also darauf hin, dass das persönliche Umfeld für viele
Befragte eine Rolle spielt. Der Austausch mit anderen und direkte Begegnungen mit Musik
scheinen für das Interesse an physischen Tonträgern wichtig zu sein.
Was bleibt, wenn Musik überall verfügbar ist?
Aus den Marktzahlen sowie den Perspektiven der Händler und der Kundschaft ergibt sich am Ende
eine gemeinsame Erkenntnis: Physische Musik konkurriert nicht unbedingt mit Streaming um
dieselbe Funktion, sondern erfüllt für viele Menschen ein anderes Bedürfnis. Die digitale
Verfügbarkeit macht Musik jederzeit und überall zugänglich, aber der physische Tonträger bietet
darüber hinaus etwas, das sich nicht allein auf das reine Musikhören reduzieren lässt. Er kann ein
Gegenstand sein, den man sammelt, betrachtet, ausstellt und tauscht, mit Erinnerungen verbindet
und zum Mittelpunkt eines Hörerlebnisses macht.
Gerade in einer Zeit, in der Musik zu jedem beliebigen Zeitpunkt verfügbar ist, kann das bewusste
Auflegen einer Schallplatte eine Art Gegenpol zum alltäglichen Medienkonsum bilden. Streaming
und Social Media haben zweifellos ihre Vorzüge, doch es wirkt so, als ließen die ständige
Verfügbarkeit und die Fülle digitaler Eindrücke wenig Raum für Momente, in denen man sich ganz
einer Sache widmet. Und wie schön kann es da sein, das Handy einfach mal zur Seite zu legen, den
Laptop zuzuklappen und ein Album aufzulegen, ohne dabei durch den nächsten Feed zu scrollen
oder sich bereits Gedanken über den nächsten Song machen zu müssen. Nur man selbst, das leise
Knistern und die Musik.
Bilder: Stefan Zintel
Redaktion: Shanice Heidenmann
Korrektur: Siento Wege
Quellen:
BVMI „Musikindustrie in Deutschland 2025“ (https://www.musikindustrie.de/presse/
presseinformationen/musikindustrie-in-deutschland-2025), abgerufen am 13.10.2026
BVMI „Das Comeback der Schallplatte“ (https://www.musikindustrie.de/presse/
presseinformationen/vinyl-waechst-weiter-und-geniesst-grosse-sympathie-1), abgerufen am
13.10.2026
BVMI „Musikindustrie in Zahlen 2024 (https://www.musikindustrie.de/fileadmin/bvmi/upload/
06_Publikationen/MiZ_Jahrbuch/2024/Musikindustrie_in_Zahlen_2024_geschuetzt.pdf), abgerufen
am 13.10.2026
BVMI „Musikindustrie in Zahlen 2025 (https://www.musikindustrie.de/wie-musik-zur-karrierewerden-kann/markt-bestseller/musikindustrie-in-zahlen-2025), abgerufen am 13.10.2026
IFPI „GLOBAL MUSIC REPORT 2026: GLOBAL RECORDED MUSIC REVENUES GROW
6.4% AS RECORD COMPANIES DRIVE INNOVATION“ (https://www.ifpi.org/global-music-
report-2026-global-recorded-music-revenues-grow-6-4-as-record-companies-drive-innovation/),
abgerufen am 13.10.2026



